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Ironman Hawaii 2006
Dieses Jahr sollte es soweit sein. Nach mehreren, in den letzten Jahren absolvierten "Just for Fun - Ironman" sollte mich nun mein erster ernsthafter Qualiversuch glücklicherweise (und Andreas und Jürgen sei Dank) direkt nach Kona bringen. Die Begrüßung dort war heftig, gleich ein Erdbeben am ersten Morgen nach der Landung - so nach dem Motto: "Stell Dir das hier bloß nicht so einfach vor!!!"
Die ersten Tage auf Hawaii waren dann geprägt von "viel Schwitzen", etwas trainieren und amüsiert das mit jedem Tag zunehmende Schaulaufen der mehr oder weniger schönen Körper beobachten.
Nach einer knappen Woche Eingewöhnungszeit war es dann soweit. Nachdem man von den mindestens 100.000 Helferhänden die Startnummer aufgestempelt bekam, mit Sonnencreme eingeschmiert wurde, die Kleiderbeutel abgenommen bekam usw. (man hatte das Gefühl, hier sind mehr Helfer als Wettkämpfer), kämpfte ich mich an der Schwimmstartlinie mutig bis in eine der vorderen Reihen vor. Was dann nach dem Startschuss losging kann man getrost als die größte Prügelei bezeichnen, die ich je beim Schwimmen erlebt habe. Bei "normalen" Rennen bin ich eigentlich meistens ziemlich schnell mit einer der ersten Gruppen weg. Aber hier musste ich schmerzhaft feststellen, dass die anderen auch schwimmen konnten. Bis zum Wendepunkt nach ca. 2 km hieß es, möglichst mehr auszuteilen als einzustecken um nicht überschwommen zu werden - viel besser wurde es allerdings auf dem Rückweg auch nicht. Dazu kamen sehr kurze, unrhythmische Wellen, wechselnde Strömungen und natürlich das Salzwasser. Unter diesen Umständen war ich dann ganz froh und auch einigermaßen zufrieden, nach ca. 01:06 Std. an Land gespült worden zu sein.
Auf dem Rad hielt ich mich dann strikt an die Ratschläge derer, die es hier schon mehrmals zu Finisher-Ehren gebracht haben, die da hießen: "Abwarten, langsam losfahren > es ist eine lange Strecke und es wird ein langer Tag". So prägte ich mir dann die eine oder andere keuchende Gestalt ein während sie mich überholte - immer in der Hoffnung, sie später noch mal wieder zu sehen. Denn so, wie einige aussahen, gaben sie offensichtlich in dieser Phase schon alles. Und wirklich, nach dem Wendepunkt in Hawi war ich es dann, der die mittlerweile teils bedauernswert aussehenden, ehemals stolzen Athleten überholte. Tatsächlich fragte ich mich bei einigen, wie die wohl noch einen Marathon überstehen wollten. Möglicherweise ist es Wunschdenken, aber ich bilde mir ein, sie alle wieder eingesammelt zu haben. Meine Gedanken waren in dieser Phase: 'Wenn der Marathon auch noch so gut läuft, dann wird das hier der Wettkampf deines Lebens'. Es sollte aber doch noch anders kommen. Kurz vor Hawi hatte ich noch Ina stehen sehen, die nach ihrem 2. Plattfuß auf den Servicewagen wartete. Da sie Schlauchreifen fuhr, konnte sie mit einem meiner Ersatzschläuche natürlich nichts anfangen.
Ansonsten ist das Radfahren an sich schon recht eintönig: wenig Zuschauer, die gesamte Strecke wellig bis hügelig und natürlich auch recht windig, obwohl wir die Tage vorher schon wesentlich mehr Wind hatten. Nachdem es auf dem Hinweg teils recht heftig (warm) geregnet hatte, wurde der Rückweg heiß und schwül - also hieß es trinken, trinken, trinken. Apropos, die Verpflegung klappte sowohl hier auf der Radstrecke, als auch später beim Laufen hervorragend.
Nachdem ich dann in der Wechselzone mein Rad einfach losließ (es konnte inmitten der Helferschar gar nicht umfallen), spielte ich dann im Wechselzelt kurz mit dem Gedanken, angesichts des Service, der dort geboten wurde (eisgekühlte Handtücher, die einem übergelegt wurden, man wurde wieder mit Sonnencreme eingeschmiert, Essen und Trinken war auch reichlich vorhanden), einfach sitzen zu bleiben. Aber es half nichts, die paar Kilometer zu Fuß würde ich wohl auch noch schaffen.
Zur Einstimmung ging es erst mal gleich ein Stück die Palani-Road bergauf, bevor die Strecke dann zum Alii-Drive führt. Nach den ersten zwei Kurven standen dann wieder unsere (Christian Billaus und meine) Begleiter und "Fans", nachdem wir sie auf der Radstrecke schon 2 x gesehen hatten. Es ist immer gut, wenn man zwischendurch moralisch unterstützt und angefeuert wird. Ich sah in Manuelas, vor Erstaunen aufgerissene Augen und dachte: 'Ja - so früh hast wohl nicht mit mir gerechnet!' Später sollte ich dann erfahren, dass es kein Erstaunen war, sondern eher ungläubiges Erschrecken - ich muss wohl doch nicht mehr "so ganz frisch" ausgesehen haben. Irgendwie merkte ich dann auch selbst ziemlich schnell, dass es nicht so rund lief. Es ging nun etwa 7 km zum ersten Wendepunkt den Alii-Drive entlang und nach ca. 3 Kilometern kam mir dann schon Christian entgegen. Er erkannte mich erst auf Zuruf und sah verdammt schlecht aus. Später meinte er, genau dort hatte er seinen absoluten Tiefpunkt, hat sich dann aber wieder erholen können und in einer fabelhaften Gesamtzeit von 09:11:06 Std. gefinisht. Beim 2. Zusammentreffen später in der Lavawüste sollte unser Befinden dann auch komplett gegensätzlich sein, er war dann schon mindestens der Zweite, der über mein Aussehen erschrocken war.
Zu meiner Entschuldigung muss ich anführen, dass ich aufgrund meiner Achillessehenreizung seit dem Ironman Frankfurt (also die letzten 3 Monate) wenig gelaufen bin und meine lädierten Sehen auch hier recht heftig schmerzten.
In dieser Phase des Marathons stehen noch Zuschauer an der Strecke, die für Stimmung sorgen und es gibt auch noch den einen oder anderen Schatten spendenden Baum. Beides sollte später, wenn man etwa ab Kilometer 16 raus in die Lavafelder Richtung Energy Lab zum 2. Wendepunkt läuft, anders werden. Es geht dann den 4-spurigen Highway, erst 10 km raus, die Strecke glühend heiß, baumlos und ständig wellig. Hinter jeder Senke hofft man, endlich die Sonnenkollektoren zu sehen, welche den Abzweig kennzeichnen, an dem es die 3km runter geht zum Energy-Lab. Dort unten ist es dann noch heißer und man läuft auf dem Rückweg mit leichtem Wind von hinten wieder bergauf, so dass man kein Lüftchen spürt und das Gefühl hat, alleine hier mindestens fünf Liter Flüssigkeit zu verlieren. Inzwischen hat man schon lange keinen Hunger mehr, muss aber neben dem Trinken auch noch essen und hofft eigentlich nur, den Rest der Strecke noch irgendwie zu überleben - zumindest ging es mir so. Aber, wer noch in der Lage war, bewusst nach rechts oder links zu schauen, erkannte ganz schnell, dass man nicht so ganz alleine war mit seinen Qualen. Ich machte mir immer wieder klar (oder versuchte es wenigstens), dass ich genau dort bin, wo ich hinwollte und genau das tat, wovon wohl das Gros der Triathleten träumt - auch wenn man zumindest in diesen Momenten das Gefühl hat, dass Träume schöner sind als die Realität.
Zu meinem Erstaunen ging es dann die letzten 10 Km zurück wieder etwas besser und ich konnte, nachdem es auf dem steilen Bergabstück auf der Palani-Road noch mal so richtig schön in den Oberschenkeln gebrannt hat, je näher ich dem Zielbereich kam, noch mal so richtig aufdrehen - so nach dem Motto: wenigstens hier eine einigermaßen gute Figur machen!
Der Zieleinlauf dann entschädigte auf jeden Fall für die Strapazen - vielleicht auch, weil man gleich anschließend von hübschen jungen Damen in Empfang genommen wurde, die einen in den "Athlets-Garden" begleiteten, wo auch die Angehörigen Zutritt hatten und man sich dann von ihnen bemitleiden und versorgen lassen konnte.
Alles in allem war Hawaii ein Riesen-Erlebnis, das auf jeden Fall für die Entbehrungen im Vorfeld entschädigt hat.
Ringo
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